Willkommen in der Flirt-Hölle „Karriereportal“

Erinnert ihr euch noch an den Messenger ICQ? Und vor allem an das Herzklopfen, wenn der heimliche Schwarm den Chatraum betreten hat? Voller Hoffnung saß ich stundenlang vor dem Computer, am Ende schrieb er doch nicht. Und spätestens mit der „Anstupsen“ Funktion auf Studi-VZ wurde unser Flirten digitalisiert. Von da an gab es eine rasante Entwicklung: von den ersten Partnerbörsen im Netz bis hin zum heutigen Anbaggern per App: Tinder & Co. .

Plattformen zur Partnersuche und moderne Dating-Apps haben mittlerweile fest ihren Platz in unserer Gesellschaft eingenommen. Während sie früher vielleicht belächelt oder kategorisch abgelehnt wurden, sind sie heute für viele eine völlig normale Form des Kennenlernens. Hier tummeln sich liebesbedürftige Menschen, die auf der Suche nach der ganz großen Liebe, der nächsten lockeren Beziehung oder einem unverbindlichen OneNightStand sind. Für jeden der sich nach Nähe sehnt, gibt es heute die passende Plattform. Und fast jeder von uns war mittlerweile schon auf einer Hochzeit, die durch ein TinderMatch zustande gekommen ist.❤️

Inzwischen sind auch soziale Plattformen wie Facebook und Instagram äußerst beliebt, wenn es um die Suche nach dem geeigneten Gegenstück geht. Das macht ja auch Sinn, denn hier können wir schnell abchecken: Aussehen, Interessen, Wohnort, Beruf und so weiter. Wer gut recherchiert findet in der Regel eine ganze Menge über den anderen heraus (Achtung, ich rede nicht vom Stalken!😄). Gefällt einem was man bei seiner FBI-mäßigen Recherche entdeckt hat, liked man vielleicht 2 oder 3 Bilder des Auserwählten bzw. der Auserwählten – aber nicht mehr! Wir wollen ja nicht sofort übertreiben, aber auch nicht weniger Bilder, sonst könnte unser „Anstupsen“ in der Masse unentdeckt verloren gehen. Nun hoffen wir natürlich, dass er oder sie unser Profil ebenfalls abcheckt und genauso begeistert ist. Von hier dauert es oft nicht mehr lange bis zur ersten Kontaktaufnahme. Diese beliebte Taktik nennt sich auch das „Insta-Game“. Woher ich das so genau weiß? Ich wurde selber mal mit dieser Taktik angelockt. Davon erzähle ich euch ein ander mal mehr.😄 Halten wir fest: letztendlich gehört ja sich kennen lernen zum sozialen Verhalten der Menschen – und ist somit natürlich auch auf social media zuhause.

Fassen wir zusammen: Wir haben die klassischen Dating-Dienste: Tinder, Parship etc. – wer sich hier anmeldet signalisiert ganz eindeutig, dass er oder sie bereit ist, jemanden näher kennen zu lernen in der Hoffnung auf eine gewisse Zweisamkeit. Ob nun für ein ganzes Leben oder nur für eine Nacht sei dahingestellt. Hier ist flirten, anschreiben und Daten nicht nur erlaubt, sondern dringend erwünscht. Dann kommen wir in den Bereich der social media Plattformen: Facebook, Instagram & Co. . Sie bieten ein Sammelsorium von Gründen, warum Menschen hier angemeldet sind. Es gibt einfach alles: #healthyfood Blogs, Modeinspiration, Hobbygärtner & DIY Ideen, Fitnessmotivation, Angeber, stille Beobachter und so viel mehr. Ganz klar, dass man hier schnell über jemanden stolpert der das selbe Hobby teilt, vielleicht noch in der selben Stadt wohnt und irgendwie auch ganz süß ist – Jackpot! Auf ins Insta-Game! (An dieser Stelle: Dickpicks will niemand! Ein Artikel dazu wird noch folgen.)

Kommen wir nun zu der Kategorie beruflicher Netzwerke: Xing und LinkedIn. Ihr fragt euch jetzt, was diese Plattformen mit digitaler Partnersuche zu tun haben? Herzlich Willkommen im Club. Denn genau das ist auch meine Frage und die eigentliche Wurzel dieses Artikels! Denn wann verdammt nochmal, sind aus BERUFLICHEN Netzwerken billige Bagger-Foren geworden? Es vergeht kaum noch ein Tag, an dem ich nicht eine Anfrage zur Vernetzung von irgendwelchen Herren bekomme. Geschmückt mit belanglosen Texten wie: „Guten Tag, tolles Profil und so ein süßes Lächeln! Wollen wir uns vernetzen und zum Austausch auf einen Kaffee treffen? Vielleicht zusammen in die Kiste hüpfen?“ Okay, der letzte Satz war jetzt hinzugedichtet – aber seien wir doch mal ehrlich, was soll das? Warum soll ich mich mit einem 50jährigen Vertriebler irgendwelcher IT-Lösungen aus Stuttgart zum Vernetzen treffen? Und es kommen viele noch eindeutigere Nachrichten. Manche schreiben auch immer wieder, machen unangemessene Komplimente und fordern unverschämt eine Antwort. Natürlich präsentiere ich mich auf dieser Plattform mit Foto, Vita und ein paar weiteren Fakten. Alles so, damit der Funke überspringt – zu potentiellen Arbeitgebern, neuen Projekten und Headhuntern!

Ich habe in der Vergangenheit oft Kontaktanfragen angenommen, ohne die Vernetzung groß zu hinterfragen, im Sinne des Networkens halt (natürlich nicht von diesen Ekeltypen). Aber das ist vermutlich auch einer der Gründe, warum beschriebenes Verhalten immer häufiger passiert. Als Frau nimmt man auf Xing oder LinkedIn einen Kontakt schneller an, als man es bei Facebook je tun würde, vor allem als Freelancer – schließlich geht man hier von einer seriösen Vernetzung auf beruflicher Basis aus. Pustekuchen. Man könnte fast den Eindruck bekommen, dass die „erfolgreichen“ Männer hier ihre Machtposition ausspielen wollen: hochwertige Vernetzung mit Möglichkeit auf einen tollen Job für entsprechende Gegenleistung? Ich sage nicht, dass dies die Motivation aller Karriereportal-Anbaggerer ist, aber so oder so: es bleibt ein bitterer Beigeschmack.

Ihr merkt, mich ärgert dieses Verhalten sehr. Und liebe Männer, ich fasse es gerne nochmal für euch zusammen: auf einem Karriereportal sind eure lächerlichen Flirtversuche, schmierigen Komplimente und konkreten Anmachen einfach nur widerlich. Hört einfach auf zu nerven – und ganz nebenbei, wenn man einige von euch Charmeuren mal googlet, findet man ganz schnell euren Facebook-Account. Wow, tolles romantisches Hochzeitsbild mit eurer Frau. Und so süße Kinder!

Liebe Mädels, es ist völlig okay dieses Verhalten übergriffig und respektlos zu finden. Ich musste mir wegen meiner Meinung schon anhören, ich wäre zu empfindlich. Das stimmt nicht!! Lasst euch nichts gefallen, was euch schlecht fühlen lässt & lasst euch schon garnicht einreden, was okay ist und was nicht. Das entscheidet nur ihr.

Eure Carina

P.S.: Wie finden die Karriereportale dieses Verhalten ihrer Kunden eigentlich? Frage an Xing und LinkedIn.

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