Was bedeutet mir Sprache?

Was ist Sprache und warum ist sie mir so wichtig? Aus wissenschaftlicher Sicht wird sie gerne als ein zur Verständigung dienendes System von Zeichen, Lauten und Regeln definiert. Eigentlich ganz simpel oder? Wir sprechen halt, so wie wir es von Geburt an gelernt haben. Besonders im Alltag, wenn wir uns mit Freunden unterhalten, aber auch im Job nehmen wir unseren eigenen Sprachgebrauch selten bewusst wahr.

Aber in meinen Augen ist sie viel mehr als ein angelerntes System oder eine menschliche Anlage! Ich sehe unsere Sprache, dabei meine ich bewusst das gesprochene Wort, als unglaublich starkes Hilfsmittel zur Erreichung von beruflichem sowie persönlichen Erfolg. Beruflich gesehen reichen unsere Worte alleine, sowie die Art und Weise wie wir sie mitteilen, natürlich nicht aus. Viele andere Eigenschaften und Kompetenzen sind hier unverzichtbar. Allerdings sind eben diese anderen Kompetenzen oft hilflos ohne ein fähiges Sprachrohr. In meinem bisherigen Berufsleben begegnete ich einigen fachlich top aufgestellten Experten. Nur leider ohne kommunikative Stärke. Somit stand ihre Kompetenz immer wieder im Schatten von geschwätzigen und fachlich schwachen Selbstdarstellern, die nichts als gut reden konnten.

Deswegen unterrichte ich Rhetorik und Kommunikation aus voller Überzeugung.          Ich glaube an Sprache als eine unterschätzte Führungskompetenz. Sie wird häufig als weiche Kompetenz bezeichnet. Oder als Soft Skill in eine vermeintlich weniger wichtige Schublade gesteckt. Ein Fehler! Sei es im Gespräch mit dem Vorgesetzten, bei einer Präsentation oder ganz besonders im Umgang mit Mitarbeitern und Teamkollegen. Unsere Art zu kommunizieren kann jede Situation negativ sowie positiv beeinflussen. Sie macht uns zu einer guten und fairen Chefin oder zu einer meckernden Zicke. Sie sorgt dafür dass wir unser Team hinter uns versammeln können um gemeinsam Ziele zu erreichen oder dafür dass wir demotivierte und innerlich kündigende Mitarbeiter haben. Sie kann uns helfen Menschen zu stärken, sie aber auch unterdrücken und klein halten. Ich könnte unendlich viele solcher Vergleiche aufzählen. Der Punkt ist, durch unsere Sprache drücken wir uns nicht nur aus. Wir haben durch sie die Möglichkeit, auf unsere Umwelt aktiv Einfluss zu nehmen.

Diese Erkenntnis lässt dann den ein oder anderen Studenten doch aufhorchen. Sie sind oft überrascht wie simpel und doch wirkungsvoll das Sprechen (miteinander) sein kann. Ich habe manchmal den Eindruck, dass dieser Aspekt in der vorherigen schulischen Laufbahn so gut wie keine Beachtung findet. Aber massenhaft Gedichte bis in die letzte Silbe interpretieren, das können sie alle…! Aufgrund dessen ist es mir umso wichtiger mit den Studierenden über ihre Sprache (natürlich auch Körpersprache) und wie sie diese einsetzen können, zu reden und zu diskutieren. Kleine Geschichte aus dem Dozentenleben dazu: Als im letzten Sommer die Vorlesung an einem extrem schwülen Nachmittag stattfand, betrat ich überrascht den Kursraum. „Was macht ihr denn alle hier?“ fragte ich erstaunt die Studierenden. Ehrlich gestanden hatte ich damit gerechnet dass der Großteil blau macht und am Aachener Weiher in der Sonne liegt.😄 „Na bei Ihnen lernen wir wenigstens was fürs Leben!“ war die prompte Antwort einer Studentin. „That`s it!“ dachte ich mir und wusste spätestens jetzt, dass ich es liebe dieses Fach zu unterrichten.

Manchmal reicht es, sich bewusst zu machen, welche Macht ein gesprochenes Wort hat. Mit diesem Bewusstsein verändert sich unsere Kommunikation automatisch. Und dafür braucht man kein teueres Rhetorik Coaching. Wir müssen uns nur daran erinnern, dass Sprache ein wundervolles und mächtiges Geschenk ist. Und so sollten wir sie auch nutzen.

Deine Carina

„Einmal entsandt, fliegt das Wort unwiderruflich dahin.“ (Horaz)