Smart durchs Netz!

Es ist 07:00 Uhr, mein Wecker klingelt. Ziemlich verschlafen nehme ich mein Handy in die Hand um das nervtötende Geklingel auszuschalten. Danach öffne ich sofort meine Musicplaylist um in Schwung zu kommen. Als nächstes werden die WhatsApp Nachrichten gelesen. Informiert darüber, was es Neues bei meinen Freunden gibt, bewegt sich mein Daumen konsequent über das Display. Instagram ist mein nächstes Ziel. Neue Likes und Follower, ein paar Nachrichten und Reaktionen auf meine Stories. Schnell scrolle ich durch meinen Feed, like und kommentiere einige Bilder, bevor ich die App wieder schließe. Noch fix den Mail-Ordner und die Wetter-App geöffnet – fertig. Es ist 07:05 Uhr und meine erste digitale Befriedigung liegt hinter mir.

Der Rest meines Tages geht in diesem Takt weiter und es gibt ständig Momente, in denen ich zum Handy greife. Sei es Musik, Mails, das Wetter, Nachrichten, Kalender, Fotos, Netflix oder oder oder…. Mein Handy ist mein treuester Begleiter und hilft mir in jeder Situation weiter. Während ich das grade schreibe, stelle ich mir prompt vor, wie aufgeschmissen ich wäre, wenn das Handy verloren gehen würde! Wie überlebe ich dann nur ohne meinen Zykluskalender als App?! 😄 Aber, neben all den netten und praktischen Apps, aktiviere ich mein Smartphone vor allem aus einem Grund: Social Media.

Ob Instagram, Facebook, Twitter oder Snapchat – Social Media hat viele von uns fest im Griff. Wir führen auf diesen Plattformen teilweise ein zweites soziales Leben. Mit digitalen Freunden, mit denen wir uns austauschen, mit ganz anderen Communities und Netzwerken als in der Realität. Mit Likes und Followern, die bewusst oder unbewusst unser Ego streicheln (wer etwas anderes behauptet, ist nicht ganz ehrlich). Plattformen, auf denen wir die Möglichkeit haben uns auszudrücken, zu präsentieren, kreativ zu sein und uns inspirieren zu lassen. Ich finde das wundervoll, bereichernd und völlig in Ordnung. Bis zu einem gewissen Punkt.

An diesem Punkt stand ich vor ungefähr einem Jahr. Denn meine größte Social Media Liebe war und ist Instagram. Wenn Studien behaupten, dass man bis zu 60-mal am Tag das Handy aktiviert, konnte ich darüber nur müde lächeln. Völlig fixiert auf die App wurde Instagram in kürzester Zeit zu meinem neuen Lebensmittelpunkt. Mein damaliger Freund sah mich nur noch mit dem Kopf aufs Handy gerichtet und wurde zum #instagramhusband, welcher ständig Bilder von mir machen musste. Anstatt mit meinen „echten“ Freunden zu kommunizieren, textete ich mit den Mädels aus meiner Community. Selbst beim Sport verbrachte ich die Zeit auf dem Crosstrainer damit, Kommentare zu beantworten und Bilder zu bearbeiten. Instagram nahm einen Großteil meines Tages ein. Ich konnte mich stundenlang in Netz verlieren. Bis zu dem Tag, als mein Account aufgrund technischer Fehler gesperrt wurde. Ich bin völlig durchgedreht und stellte mir die Frage „Wer bin ich ohne meinen Instagram-Account?“. Erschreckend oder? Die Sperrung hielt ganze drei Tage an. Und was ich zunächst für die absolute Katastrophe hielt, stellte sich als absoluter Segen heraus. Denn schon am zweiten Tag merkte ich, wie mich ein gewisser Druck verließ, wie mein Kopf sich entspannte und mein Gehirn wieder frei wurde für neue, frische Gedanken. Ich realisierte sehr schnell, wie abhängig ich mich von dieser App gemacht habe – und wie gut mir eine Handy freie Zeit tut. Meinen Account bekam ich zurück und natürlich war ich überglücklich, aber etwas hatte sich verändert. Von einem alltagsbestimmenden, energiesaugenden und ständig fordernden Netzwerk wurde Instagram für mich wieder das, was es mal war: Ein Hobby.

Ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin. In Gesprächen mit Freundinnen und anderen Insta-Girls wurde deutlich, dass dieses Gefühl der Abhängigkeit nicht nur mich belastet. Daher finde ich es toll, dass sich mittlerweile auch viele Bildungsträger, Unternehmen und andere Einrichtungen mit dem Thema beschäftigen wie zum Beispiel die AOK. Die Gesundheitskasse beschäftigt sich auf ihren Jugendportalen gerade mit dem Thema Digitalisierung und zeigt euch, wie ihr #smartdurchsnetz kommt. Auf der Website der AOK-on warten dazu spannende Interviews und Beiträge, außerdem findet ihr gute Tipps und Lifehacks auf dem dazugehörigen Instagram- und Facebook-Kanal . Denn grade die Generationen, wie meine jüngeren Geschwister, die mit dem Smartphone groß werden wie ich mit dem Gameboy, verbringen viel Zeit im Netz. Und das ist toll, denn das Internet hat unfassbar viel zu bieten, so lange es nicht überhand nimmt. Wie bei mir und meiner kleinen Instagram-Liebe.

Heute, ein Jahr nach meinem gesperrten Account, habe ich mehr denn je mit den sozialen Plattformen zu tun. Denn mittlerweile arbeite ich im Online-Marketing und als Social Media Managerin. Und Instagram ist immer noch eine meiner Lieblings-Apps. Allerdings habe ich gelernt, mir bewusst Grenzen zu setzen. Mir freie Zeiten zu schaffen, in denen ich mich der ständigen Erreichbarkeit entziehe und das Handy einfach mal Handy sein lasse. Spazieren gehen, Yoga machen, lesen (ihr wisst, ich bin ein Bücherwurm) und einfach mal loslassen. Ich brauche diese bewussten Pausen um meinen Kopf frei zu bekommen von der Informationsflut und um mich wieder neu zu fokussieren. Vor allem macht mir dann Social Media auch wieder viel mehr Spaß! Meine Bitte daher:                 Lebt öfter offline!

Eure Carina 😊

P.S.: Ein kleiner Tipp von mir – bei geselligen Treffen mit Freunden oder der Familie einfach mal alle Handys einsammeln und erst nach zwei Stunden wieder austeilen. Das bewirkt wahre Wunder für Gespräche und die gemeinsame Zeit. 😉