Hallo 2019!

Es ist kurz nach 23 Uhr am 01.01.2019. Ich liege im Bett, esse die restliche Weihnachtsschokolade und lasse mich von Netflix bespaßen. Neujahr – der erste Tag des neuen Jahres. Sollte was Besonderes sein, sich zumindest besonders anfühlen, oder? Aber so ist es nicht. Im Gegenteil, jetzt grade fühlt es sich eher an wie ein fauler Sonntag, wenn man die Nacht vorher feiern war.

Ich denke darüber nach, was Sylvester bedeutet. Für viele Menschen ist es ein Ende. Ein Abschied, von dem alten Jahr und mit ihm auch ein Abschied von schlechten Gewohnheiten. Sie nehmen sich vor, sich gesünder zu ernähren, das Rauchen aufzuhören und mehr Sport zu treiben. Einige wollen sich von bisherigen Denkmustern trennen, vielleicht neu zu sich selbst finden. Manche trennen sich von Menschen, bzw. von den Gedanken und Gefühlen an Menschen, die ihnen nicht gut tun. Und so ist der Abschied auch ein Neubeginn. Neues Jahr, neues Glück – sagt man doch so.

Ich persönlich halte Sylvester seit Jahren für völlig überbewertet. Ein Tag wie jeder andere im Jahr. Mama hängt einen neuen Kalender auf und alles wiederholt sich, Geburtstage, Ostern und schließlich wieder Weihnachten. Das einzige was Sylvester von den anderen Tagen unterscheidet, ist das die Preise in Restaurants und Bars plötzlich explodieren. Man zieht sich vielleicht noch etwas schicker an, wartet auf 24 Uhr. Nur um dann anzustoßen, sich ein frohes neues Jahr zu wünschen und vorbei ist die Party. Achja, die sinnlose Böllerei nicht zu vergessen! Aber das sei ja jedem selbst überlassen.

Für mich gilt, dem Tag möglichst wenig Bedeutung beizumessen. Denn sonst passiert etwas, was wir alle schonmal an Sylvester erlebt haben: die pure Enttäuschung. Wir haben zu hohe Erwartungen an den letzten Abend des alten Jahres, an die Feier auf die wir gehen oder die wir selber schmeißen. Es soll die Party des Jahres werden, wird sie dann aber meistens doch nicht. Und gute Vorsätze? Fehlanzeige. Wenn ich etwas in meinem Leben ändern will, kann ich das problemlos und jederzeit an jedem Tag im Jahr machen! Nur weil die Welt ein Jahr älter wird, brauche ich keine neuen Ziele oder Mantras.

Aber warum liege ich dann hier und denke überhaupt darüber nach? Liegt es daran, dass heute so ein verregneter und trister Tag ist? Aber das ist Neujahr doch immer. Etwas beschäftigt mich und das ist mein eigenes 2018. Das letzte Jahr war chaotisch, schnell und oft verwirrend. Es war aufregend und spannend, aber ich bin froh, dass es vorbei ist. Und genau das ist es: Ich möchte auch etwas zurücklassen. Ich erkenne, dass auch ich mich verabschieden möchte von Denkweisen und Gefühlen, von Angewohnheiten die in 2019 nichts zu suchen haben. Zeitgleich fallen mir all die großartigen Menschen und Dinge ein, die ich im neuen Jahr wieder um mich haben möchte. Ich freue mich auf neue Projekte und Vorhaben, die ich noch umsetzen möchte. Es tut gut darüber nachzudenken und zu sortieren, ist wie aufräumen in Kopf und Herz. Ein tolles Gefühl und irgendwie auch aufregend.

Jetzt verstehe ich es. Denn das ist es: Die guten Vorsätze zum Jahreswechsel, sie geben uns Kraft. Mir geben sie Mut und einen klaren Blick. Ich fühle mich erleichtert durch die Dinge die ich zurück lasse. Und wenn ich sage, Sylvester sei wie jeder andere Tag im Jahr, ist er es doch nicht. Es ist ein Tag den wir brauchen, um ins aufzuräumen. Denn Abschied bedeutet immer Neubeginn und das gibt uns Hoffnung. Natürlich ist dies alles nur an ein Datum geheftet und eigentlich albern, dass wir uns so an diesen Tag klammern. Aber das ist völlig egal, so lange das Verabschieden, das Feiern, die guten Vorsätze und das Willkommen heißen uns gut tun. Das habe ich dieses Jahr zum ersten Mal verstanden, es ist ein Erneuerungsprozess, für das Jahr und für uns selbst.

Übrigens habe ich Sylvester ziemlich spontan auf einer wahnsinnig netten Feier verbracht, keinerlei enttäuschte Erwartungen. Jetzt werde ich mir noch ein paar Gedanken über meine eigenen Vorsätze machen. Als Kind war es immer, in Mathe besser zu werden. Allerdings habe ich das nur gesagt um meiner Mutter eine Freude zu machen. Ich habe es nie geglaubt, versucht oder wirklich gewollt. Das ist in diesem Jahr anders. Was denn nun meine Vorsätze sind? Das bleibt wohl mein Geheimnis.

Geht mutig und neugierig in euer 2019! Ich wünsche euch ein frohes neues Jahr.

Eure Carina ❤️