Digitaler Frühjahrsputz

Oder auch: mein Instagram Frust und die Follower-Ego-Falle!

„Instagram hat sich verändert, Instagram macht weniger Spaß, Instagram frustriert mich.“ – diese sind nur einige der Gedanken, die mich immer häufiger beschäftigen. Seit wann genau mich diese zunehmend stärker werdende Unzufriedenheit in Bezug auf meine eigentliche LieblingsApp überfallen hat, kann ich garnicht so genau sagen. Eine Art schleichender Prozess, wie in einer Beziehung die eigentlich mal recht leidenschaftlich war, aber still und heimlich zu einem erkalteten nebeneinanderher leben wird. Und so wie man müde wird seinem Partner Aufmerksamkeit zu schenken oder sich Mühe zu geben, so bin ich müde geworden durch meinen Newsfeed zu scrollen. Müde die immer ähnlicher werdenden Posen und Bilder, die immer gleichen Produktplatzierungen zu sehen. Müde von den abgedroschenen Sprüchen und vermeintlich tiefsinnigen Captions wie: Genieße jeden Moment – live your life , ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag usw. – diese „Weisheiten“ sind auch nicht falsch, trotzdem wirkt es oft nur so daher geschrieben. Müde bin ich auch von meinen eigenen, teilweise wenig sinnvollen ich-lächle-nett-in-die-Kamera-Bildern. Versteht mich nicht falsch, jeder soll auf Instagram das machen worauf er Lust hat, das ist der Sinn der App. Trotzdem sollte ich für mich hinterfragen, warum ich beim Öffnen der App eher ein gelangweiltes statt inspirierendes feeling habe.

Der tägliche Medienmüll, den wir vor allem unbewusst konsumieren ist immens. Ob es irgendwelche Bilder in den sozialen Medien, Schlagzeilen oder Werbebanner sind – unser Gehirn wird so überladen, dass es teilweise schwer fällt seine eigenen Gedanken und Meinungen noch zu erkennen. Denn oftmals ist es so, dass wir nicht selber denken, sondern einfach nur weit verbreitete, allgemein gültige oder oft gepostete Meinungen und Aussagen von anderen übernehmen. An dieser Stelle könnte ich mich seitenweise über das Thema Medienkonsum auslassen, das hat aber schon jemand anderes sehr professionell und unfassbar präzise gemacht: Rolf Dobelli. Ich kann sein Buch „Die Kunst des digitalen Lebens nur empfehlen – vor allem wenn ihr noch nicht davon überzeugt seid, wie schädlich der ungezügelte Medienkosum wirklich ist!

Zurück zu meinem Account und der Frage: was ist mein Problem? Was löst diesen Frust nun aus? Die Antwort ist tatsächlich relativ schnell gefunden. Denn auch wenn Instagram sich verändert hat und auch wenn man nicht mehr die gewisse Anfangseuphorie verspürt, ist die App grundsätzlich nicht schuld an meiner Unzufriedenheit. Letztendlich bin ich ja selbst verantwortlich für die Inhalte in meinem Newsfeed – ich entscheide, wem ich folge und wessen Beiträge ich daher ständig zu sehen bekomme. Und allein die Begrifflichkeit „jemandem folgen“ impliziert doch, dass ich mich irgendwie mit dieser Person und ihrem Content identifiziere, sie eventuell sogar als Vorbild sehe oder sie mich inspiriert. Oder warum sollte ich ihr sonst folgen? Warum folgt ihr jemandem?

Doch was ist, wenn genau diese Inhalte, die ich auf Instagram aktuell durch das reine Folgen bestimmter Accounts konsumiere, einfach nicht ( mehr ) meinen Interessen entsprechen? Denn weder Mama,- extreme Fitness, – oder reine Fashionaccounts sind im Moment das was mich beschäftigt. Yoga, Bücher, Inneneinrichtungen, alles rund um Köln und gesunde Küche – das sind viel mehr die Themen, die mich momentan interessieren. Damit wäre eigentlich auch klar, was zu tun ist: allen Accounts, die wirklich so garnicht meinen aktuellen Interessen entsprechen, sollte ich entfolgen. Entfolgen – bei dem Wort bekommen viele ein ganz unangenehmes Gefühl. Entfolgen – das ist ja fast wie Schluss machen in Social Media Sprache. Und dann gesellt sich noch das kleine feine Ego hinzu und flüstert hinterlistig in mein Ohr: „Denk dran, wenn du jemandem entfolgst, entfolgen dir die Leute wahrscheinlich auch? Bist du dir sicher, dass du das riskieren willst?“. Was hier passiert, nenne ich die Follower-Ego-Falle: wir entfolgen anderen nicht, weil wir zu große Angst vor dem eigenen Follower-Verlust haben. Und wenn vor einiger Zeit meine Antwort auf diese provokante Frage des Egos vielleicht noch anders ausgefallen wäre, sage ich jetzt ganz deutlich: „Ja, das riskiere ich – und zwar ab sofort!„. Denn weder mache ich mich abhängig von meinem Ego, noch konsumiere ich weiterhin unnötige Inhalte und stopfe mein Gehirn damit voll, nur um nicht die Gunst von mir eigentlich fremden Menschen zu verlieren. Und wenn diese Personen mir dann ebenfalls entfolgen nur weil ich ihnen entfolgt bin, sind sie selber in besagter Follower-Ego-Falle gefangen und haben meinen Content eh nie gut gefunden. Es ging schlicht ums Follower sammeln und behalten. Ich finde das ist alles ein großer Quatsch – und vor allem ungesund!

Für mich habe ich den folgenden Entschluss gefasst: allen Accounts die mich momentan inhaltlich nicht interessieren, entfolge ich. Und das sollte mir einfach niemand böse nehmen, wie auch ich das niemandem böse nehme. Denn wie bereits erwähnt: wir entwickeln uns alle weiter, unsere Interessen und Bedürfnisse verändern sich. So hatte ich vor einem Jahr eine ganz andere Phase als jetzt – und bin eben dieser Phase entsprechenden Accounts gefolgt. Ich habe mich aber verändert und mit mir haben sich meine Interessen verändert. Dementsprechend sollte ich auch meine Social Media Umwelt anpassen. Und genau das wünsche ich mir auch von meinen Followern: fragt euch, ob ihr auch in dieser Falle steckt und vielleicht aus einem Gefühl der Verpflichtung Accounts folgt, die euch, wenn wir mal ehrlich sind, null interessieren. Bestimmt tut es euch genauso gut wie mir, euer digitales Leben mal tiefgreifend aufzuräumen. Und solltet ihr dabei feststellen, dass mein Account und meine Inhalte dazu gehören: weg damit!

Ich wünsche mir, dass wir alle wieder authentischer und echter sind. Denn ich habe das Gefühl, „fake“ sein ist mittlerweile gesellschaftlich akzeptiert. Und so scheint es ebenfalls zu unserem Alltag zu gehören, sich ständig zu vergleich oder nicht mehr zu wissen, was man eigentlich glauben soll. Dieser digitale Dschungel ist nicht immer so sozial, wie sein Name uns glauben lässt – wir müssen aufpassen, uns nicht in ihm zu verirren.

Eure Carina ❤️

 

P.S: Ich habe noch weitere Veränderungen für mich und meinen Account geplant – aber da dieser Blogartikel jetzt schon die maximale Wortzahl sprengt, schreibe ich dazu bald einen weiteren Artikel. Ich werde dann auch die Ergebnisse der Entfolgen-Maßnahmen reflektieren – schaut also gerne wieder vorbei. 😊

 

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